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Kentucky Road Zero

Kentucky Road Zero

Eigentlich sollte unser Protagonist Conway nur ein Paket ausliefern, doch auch tägliche Routine bringt ihn nicht weiter, es ist kompliziert. Zum einen liegt das an der Lieferadresse die niemand kennt und in keiner Karte verzeichnet ist, zum anderen sind alle Wegbeschreibungen kryptisch und seltsam. Doch irgendwo muss ja die Dogwood Lane von A nach B führen und angeblich erreicht man sie am besten über die Route Zero. Also ist der Weg das Ziel und wir finden uns in einem surrealen Abenteuer wieder.

Im Prinzip handelt es sich hier um ein Indy Point-and-Click Adventure mit einer ziemlich mysteriösen Geschichte. In Summe weniger Point-and-Click, mehr Adventure, kein Inventar mit Krimskrams ist von Nöten, kein Rucksack voller Utensilien muss geschleppt werden. Die Geschichte entwickelt sich durch zwei Komponenten: Konversation und Analyse. Dabei sind die Figuren herrlich verkorkst und die Dialoge lassen einem eine ungewohnte, sehr flexible Entscheidungsfreiheit, denn so oder so – die Geschichte fächert sich weiter auf. Vom ganzen Ensemble hat es mir natürlich der alte, sehr träge Hund namens Blue angetan, der Conway brav folgt und manchmal lieber beim Wagen bleibt, als einen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen. Doch meistens trottet er uns hinterher, gut erzogen ist er ja. Aber auch die wunderschönen Schauplätze – etwa die Tankstelle mit dem überdimensionalen Pferdekopf auf dem Dach oder die dichten Wälder – lassen mich staunen und schmunzeln. Ebenso grandios ist der Bürokomplex, in dessen drittem Stockwerk ein Rudel Bären döst. Träge schauen Sie mir hinterher, blinzeln verpennt, während ich die Etage genauer unter die Lupe nehme.

Das Szenerie-, Charakter- und Animationsdesign ist fantastisch, Gestaltung und Programmierung sprechen eine Sprache, um am Ende ein Paket abzuliefern. Die Welt in der wir uns bewegen, ist auf den ersten Blick zweidimensional, wobei gekonnt Parallaxeffekte für Tiefe und Weitsicht sorgen. Im weiteren Verlauf der Geschichte gibt es einige Kamerafahrten, die die Szenerien um die eigene Achse drehen und uns in einen dreidimensionalen Raum blicken lassen. Das alles wirkt sehr beiläufig und fügt sich organisch in ein großes Ganzes ein. Das Zusammenspiel ist stimmig und überrascht dabei immer wieder. Ein riesiger Adler rauscht über den Horizont, eine Band schiebt sich als Schattenriss durch das Bild in die vorderste Reihe und musiziert ausgelassen. Zu einem späteren Zeitpunkt navigiert man Conways Truck über eine minimalistische Straßenkarte. Viel Schwarz und feine weiße Linien mit filigranen Symbolen und Piktogrammen weisen einem mehr oder weniger den Weg. Jedenfalls ist auch dieser Teil in seiner reduzierten Art und Weise sehr gelungen, es werden nur wenige gestalterische Elemente benötigt, um ein spannendes Bild zu zeichnen.


Den Stil würde ich unter Vektor-Art einordnen. Alles hat einen eckigen Touch, es finden sich mehr spitz zulaufende Formen als runde. Sanfte monochrome Verläufe und mehrere hintereinander liegende Ebene führen meinen Blick durch die Szenerien. Baumkronen werden zu Rauten in unterschiedlichen Größen reduziert, gleiches gilt für die Wolken. Man braucht nicht viel um die Fantasie zu beflügeln, ein paar Indizien reichen aus.

Die Farbkombinationen sind nie überladen oder zu bunt, sondern eher zurückhaltend. Monochrome trifft es eben nicht ganz. Es wirkt so, als hätten sich die Designer für eine Szene auf ein wenige Farben geeinigt und diese oft gebrochen, um einzelne Facetten voneinander abzuheben. Selten werden wirklich harte Kontraste gesetzt und wenn doch, harmonisieren sie ebenfalls. Diese sehr präzise ausgewählte Palette wird immer wieder unterschiedlich stark beleuchtet.

Dadurch entstehen kleine Kunstwerke, die durch Licht und Schatten Leben eingehaucht bekommen. Man erkennt z.B. die Schemen eines kleinen Wohnhauses mitten im Nirgendwo, geschmeidig wird das Haus ins Zentrum gerückt, ein kurzes Flackern erhellt die Szene und im Haus gehen die Lichter an, eine Fülle an Details dürfen entdeckt werden. Und auch hier, im kleinen Mikrokosmos, werden sorgfältig mehrere Ebenen verschachtelt, um für Tiefe zu sorgen. Licht und Schatten sind mit die vorherrschenden Elemente, die sich das Spiel zu Eigen macht. Es zeichnet eine dichte Stimmung, betont die wichtigen Interaktionspunkte und führt am Ende zu einer übersichtlichen Szenerie.


Kentucky Route Zero ist wirklich ein tolles Spiel, viel mehr aber schätze ich seine grafische Umsetzung. Eine überraschende Reise, lebendig, minimalistisch, reduziert, stimmungsvoll, gewagt und eigensinnig. Die Jungs von Cardboard Computer haben in dieses Projekt viel Zeit investiert, das sieht man schon nach den ersten Minuten. Wer wissen will, ob das Paket sein Ziel findet oder welche grafischen Schmankerl sich noch in dem Spiel verbergen, sollte jetzt einen weiteren Blick riskieren, man wird ganz sicher nicht enttäuscht.
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